Rentenfonds (RF)
Standard- Rentenfonds waren lange Zeit die Favoriten bei deutschen Fondsanlegern. Im Vordergrund standen die Sicherheit und
regelmäßige Auszahlungen. Inzwischen hat sich das Angebot stark aufgesplittet. Wie die jeweiligen Fonds-Konstruktionen in ihrem
Chancen-Risiko-Profil einzuordnen sind, zeigt der folgende Beitrag.
Im Jahr 1966 wurden die ersten deutschen Rentenfonds aufgelegt und bildeten neben den Offenen Immobilienfonds über Jahrzehnte das
Hauptabsatzprodukt der deutschen Investmentindustrie. Das Streben nach Sicherheit, insbesondere der Anleger der Kriegsgeneration,
spiegelt sich hier besonders wider. Der Investmentgedanke ist gekennzeichnet durch das Prinzip der Risikostreuung und die
Möglichkeit, auch Wertpapiere in Bruchteilen von Anteilen erwerben zu können. Im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere liegt das
Streben nach Risikostreuung nicht unbedingt auf der Hand, handelt es sich doch um Wertpapiere, die einen festen Zins versprechen
und am Ende der Laufzeit die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals garantieren. Die Funktionsweise selbst eines Standardrentenfonds
ist jedoch komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint. Insbesondere die Zinsempfindlichkeit des Anlageergebnisses wird
häufig von Anlegern unterschätzt. Speziell im Jahr 1994, als es zu einem globalen Zinsanstieg kam, wurde manchem Anleger und
Berater drastisch vor Augen geführt, dass in bestimmten Kapitalmarktphasen selbst zweistellige Verluste im Bereich der als sicher
geltenden Rentenfonds auftreten können. Auch die Aufsplittung der Produktkategorie Rentenfonds in immer speziellere Segmente
führte in den letzten Jahren zu einem erhöhten Beratungsbedarf in diesem Segment.
Dem Fondsmanagement eines Rentenfonds stehen verschiedene Stellgrößen für die Bestimmung des Anlageerfolges zur Verfügung.
Rendite der Anleihen
Laufzeit
Duration
Rating
Währung
Der grundsätzliche Unterschied zwischen einer einzelnen Anleihe und einem Standardrentenfonds ist das Fehlen einer Endfälligkeit
des Fonds. Ein kleiner Unterschied, der jedoch drastische Einflüsse auf das Anlageergebnis haben kann. Während bei einer
Bundesanleihe am Ende der Laufzeit die Anleihe zu 100 Prozent getilgt wird, und ein Kursrisiko per Endfälligkeit damit quasi
wegfällt, besteht ein Fonds aus einem meist dynamischen Portfolio von dutzenden, manchmal sogar hunderten verschiedener Anleihen.
Da diese unterschiedliche Zins- und Tilgungstermine haben, ist der Verlauf des Rentenfondskurses vom Zusammenwirken der Anleihen
im Portfolio abhängig.
Da Anleihen mit den verschiedensten Rückzahlungsdaten erworben werden, ist die Beurteilung eines Rentenfonds anhand eines
Rechenschaftsberichtes recht schwer.
Praxis-Beispiel
Je länger eine Anleihe an Restlaufzeit aufweist, desto höher ist die sog. Zinsempfindlichkeit. Eine im Februar 1990 emittierte
10-jährige Bundesanleihe (Ausgabekurs 100 Prozent) verlor während der Kuwaitkrise innerhalb weniger Tage über 5 Prozent an Kurswert,
da der Kapitalmarktzins sich stark erhöhte. Dieses Risiko wird Kursrisiko einer Anleihe genant und kann in einzelnen Jahren so
stark ausfallen, dass der Zinsertrag dieses Jahres den Verlust zwar mindert, jedoch nicht wettmachen kann.
Zur leichteren Beurteilung von Rentenfonds gehen immer mehr Fondsgesellschaften dazu über, das Gesamtdepot eines Rentenfonds
zu bewerten und zu veröffentlichen. Damit wird der Berater in die Lage versetzt, die potenziellen Kursrisiken eines Rentenfonds
bei Zinsänderungen zu erfassen.
