Britische Lebensversicherung (BLV)
Grundsätzlich gibt es zwei Varianten, zwischen denen Anleger wählen können: die fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherung
nach deutschem Muster oder die britische Lebensversicherung.
Als Variante, die gewissermaßen zwischen der klassischen und fondsgebundenen deutschen Variante der Lebensversicherung
steht, sind angelsächsische Lebensversicherungen einzustufen. Denn sie verbinden Teile der sicherheitsorientierten deutschen
Variante mit den Renditechancen einer reinen Fondspolice. Einerseits wird nämlich ein überproportional großer Anteil des angelegten
Kapitals in Aktien investiert - und zwar bis zu 80 bis 90 Prozent. Andererseits werden im Gegensatz zu deutschen Fondspolicen in
guten Zeiten die Gewinne nicht zu 100 Prozent dem jeweiligen Vertrag gutgeschrieben, sondern ein Teil wird als Schwankungsreserve
zurückgelegt, um in schwächeren Aktienmarktphasen Kursrückgänge abfedern zu können. Der klassische Typ der britischen
Lebensversicherung , bei der den Kunden die Überschüsse gutgeschrieben werden, heißt "With-Profit-Police".
Dabei werden - wie oben beschrieben - die Schwankungen, die durch die Entwicklung der Aktienmärkte bedingt sind, geglättet,
was als "Smoothing" bezeichnet wird. Dadurch soll das kurzfristige Auf und Ab an den Finanzmärkten ausgeglichen werden, um ein
möglichst gleichmäßiges Wachstum des in Aktien investierten Kapitals zu erreichen. Aus diesem Grunde bauen die Gesellschaften in
guten Börsenzeiten Rücklagen auf, die in Schlechtwetterphasen dem Kapitalstock wieder zugeführt werden. Den Versicherten wird so
bei Vertragsablauf, je nach Börsenlage, mal mehr und mal weniger als der reine Marktwert der Police ausgezahlt. Dafür können sie
sich gewissermaßen auf einen mittleren Zuwachs des Policenwertes einstellen.
Die fondsgebundene Lebensversicherung "Made in Germany" und britische Lebensversicherungen sind zum Teil völlig unterschiedliche
Konstruktionen, sie haben aber auch etliche Berührungspunkte. Interessant macht britische With-Profit-Policen, dass sie Anlegern
die Möglichkeit eröffnen, stärker von den Renditechancen der Aktie als Anlageinstrument zu profitieren, ohne dabei voll den
Renditeschwankungen der Finanzmärkte ausgesetzt zu sein. Denn da greifen sowohl der Glättungsmechanismus, das Smoothing, als
auch das System der Gutschrift von Bonuszahlungen. Dabei handelt es sich um eine Art Mindestzins, der dem Sparer während der
Laufzeit gutgeschrieben wird. Diesen erhält er allerdings nur, wenn er den Vertrag bis zum Ende der Laufzeit durchhält. Hinzu
kommt dann noch der Schlussbonus, der bis zu 60 Prozent der Gesamtauszahlung ausmachen kann. Bei einer deutschen Fondspolice
erhält der Anleger hingegen bei Fälligkeit der Police nur den Gegenwert seiner Fonds ausgezahlt. Das Ablaufmanagement muss er
daher selbst in die Hand nehmen beziehungsweise gegebenenfalls einen Experten damit beauftragen. Die britische Lebensversicherung
in Form der With-Profit-Police ist vor allem für Anleger interessant, die eine höhere Rendite wollen und bereit sind, wegen des
deshalb höheren Aktieninvestments ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen, die aber auch eine besser kalkulierbare Entwicklung der
Ablaufrendite wünschen, als sie bei einer deutschen Fonds-Police aufgrund ihrer Konstruktion möglich ist.
